Wir segeln über die Biskaya oder unser erster großer Hochseetörn

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Nach unseren sehr positiven Erfahrungen, bezüglich der drei Nachtfahrten, die wir zwischen Vlissingen und Cameret-sur-Mer erlebt haben, waren wir vor dem Start unserer Biskayaüberquerung eigentlich sehr entspannt. Der Wetterbericht sagte für die nächsten Tage konstant raumen Wind von 14-18 Knoten aus 290-320 Grad vorher und dazu erträgliche Temperaturen tagsüber um die 20°, nachts um die 14° Grad und keinerlei Niederschläge. Da ich auf dem Törn zwischen Cherbourg und Camaret sûr Mer sogar unter Deck mit der Nähmaschine Kleidchen umgenäht hatte, habe ich den Tipp unserer Freundin Ulrike von der Dawn, für alle drei Tage vor zu kochen, etwas lächelnd ab getan. Schließlich brauchte ich doch was zu tun in diesen ganzen Stunden und Tagen auf der Biscaya und da dachte ich, kochen wäre eine gute Idee. Hätte ich gewusst, dass ich am zweiten Morgen nicht mal Bock hatte Kaffee zu kochen, obwohl wir total übermüdet waren, geschweige denn etwas anderes, weil alles so unerwartet ätzend war, hätte ich ihren Rat ziemlich sicher befolgt. So haben wir drei Tage lang kalten Nudelsalat gegessen. Gut, dass ich mal wieder zu viel gemacht hatte… Aber ihr kennt das ja, hinterher ist man immer klüger und wie uns die liebe Inge von der Malwieder sagte: Besser immer auf Windstärke acht vorbereiten und sich darüber freuen wenn es weniger wird. Nicht dass wir acht Windstärken gehabt hätten, nein, es waren nur 4-5 und die kam auch immer aus der gleichen Richtung. Die Windfahne hat perfekt alles „alleine“ gesteuert und das AIS hat brav gesagt, wenn irgendwer in der Nähe war, der unseren Weg hätte kreuzen können. Alles lief eigentlich super. Das Problem waren die Wellen. Unser Kurs war nicht so achterlich wie wir es im Vorfeld gedacht hatten, sondern am Wind, so dass unser Boot permanent Schräglage hatte und die kurzen Windwellen aus West sich mit der bis zu 2m hohen, langgezogenen Atlantikwelle (mit der wir bis dahin noch keine Erfahrungen gemacht hatten) aus Nordwest unangenehm überlagerte. Durch dieses permanente von „links nach schräg“ von vorne nach hinten Gewackel, hat man intuitiv die ganze Zeit gegen diese Bewegung gearbeitet und Körper und Geist kamen nie wirklich zur Ruhe. Das hat leider sowohl Schlafen als auch sonst irgendwas an Bord zu tun, nahezu unmöglich gemacht. Wir waren nicht seekrank, uns war zwischendrin vielleicht mal kodderich, dann wir haben sofort Medikamente genommen, es war eigentlich alles nicht wirklich schlimm, aber über die Zeit sehr kräftezehrend und der Schlafmangel tat dann den Rest dazu. Wir haben alles versucht wir haben alle Kojen ausprobiert, wir haben gerade gelegen, quer, schräg, wir haben Matratzen auf den Fußboden neben die Maststütze gelegt, nichts hat wirklich geholfen. An Schlaf, in den 4 Stunden Freiwache die wir abwechselnd hatten, war nicht zu denken.

Aber jetzt genug „gejammert“! Das Gute ist, dass man schnell vergisst, wenn man das ganze dann erfolgreich hinter sich gebracht hat. Wir haben ja auch Schönes unterwegs erlebt. Wir haben wieder Delfine gesehen und sogar Wale, zumindest den Blas und die Rückenflosse von weitem. Wir hatten wunderschöne, tröstliche Sonnenaufgänge und Untergänge und den Mond, der uns jede Nacht ein Stück begleitet hat. Wir hatten diese „Ruhe“ auf dem Wasser, die wir so lieben, nur wir und das Meer, soweit das Auge reicht, und dann dieses unglaubliche Gefühl zu realisieren, dass das Wasser unter einem grade fast 5000 Meter tief ist. Und dann natürlich diese erleichterte und glücklich Gefühl, wenn man endlich Land sieht und kurz darauf stolz in den Hafen eines „neuen“ Landes einläuft.

Für uns war dieser Törn alles in allem eine sehr wichtige und positive Erfahrung, wir haben aus unseren „Fehlern“ gelernt, wissen nun auch besser, was wir uns selber zumuten können und was wir auf den nächsten längeren Törns alles besser machen werden.

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Zwei lange Etappen zu Beginn

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Vlissingen – Cherbourg – Camaret sur Mer

Direkt zu Anfang hatten wir uns viel vorgenommen. Unser Ziel war es, so schnell wie verantwortungsvoll möglich, durch den Englischen Kanal Richtung Westen und dann links ab über die Biskaya nach Galizien zu kommen. Das Schiff war fit, einzig wir zwei wussten nicht, ob das für den Anfang die richtige Entscheidung war. Waren wir doch die letzten zwei Jahre keine langen Etappen mehr gesegelt und letztes Jahr hatten wir unsere Tosimotu mehr bewohnt als gesegelt. Doch es stellte sich schon in den ersten Stunden nach dem Ablegen in Vlissingen heraus, dass es genau das war, was wir vermisst hatten. Das es das war, was wir wollten und wo wir uns wohl bei fühlen. Das Gefühl auf dem Wasser zu sein und unsere Tosimotu wird vorwärts bewegt durch den Wind in den Segeln und das Rauschen der Wellen ist Musik in unseren Ohren. Wir freuten uns also auf die vor uns liegenden 248sm bis Cherbourg.

Der Gezeitenstrom entlang der Küste Richtung Oostende half kräftig mit bei der Fahrt Richtung Westen. Natürlich kommt nach sechs Stunden dann für sechs Stunden die Ernüchterung die heißt Gegenstrom. Aber unser Plan sah vor, die engste Stelle des Ärmelkanals, zwischen Calais und Dover mit dem Richtung Westen laufenden Tiedenstrom zu passieren. Unterstützt wurden wir durch ein stabiles Hochdruckgebiet über Großbritannien welches uns einen stetigen Ostwind bescherte.

Die Nächte erlebten wir unter sternklarem Himmel. Ein Himmel in seiner Klarheit, wie wir ihn bisher nur auf dem Wasser, fern ab von jeglichem Licht, erlebt hatten. Lediglich am Horizont zogen die großen Ozeanriesen, teilweise hell erleuchtet, ihres Weges.

Das Rauschen der Wellen die das Schiff umspülen kommt uns Nachts noch viel intensiver vor. Das mag daran liegen, dass man die Wellen nicht seiht, sondern nur hört. Man verschmilzt mit der Natur, nimmt Empfindungen viel deutlicher wahr.

Für Mitte Juli hatten wir uns auf warme Sommernächte gefreut und dementsprechend unsere wärmende, wind- und wasserabweisende Segelbekleidung verstaut. Der Meteorologe würde in seiner Wettervorhersage erzählen: „die Nächte sind für diese Jahreszeit zu kühl“. So erlebten wir die Nächte auch, kühl und vor allen Dingen feucht.

Irgendwann des Nachts fängt es an zu tropfen. Ein Blick in den sternenklaren Himmeln offenbart jedoch, das kann kein Regen sein. Nein es tropft kontinuierlich aus den Segeln. Und stehen die Segel mal back und blähen sich dann mit einem Schlag wieder unter dem Druck des Windes auf kommt von oben auch schon mal ein Schauer. Also verkriecht sich der Wachgehende in eine Wind und Wasser geschützte Ecke oder wie wir es machen, segeln einfach mit Kuchenbude.

Unser Tagesablauf wird bestimmt durch den Rhythmus der Gezeiten, Tag und Nacht, Wache gehen, Navigationsinstrumente regelmäßig beobachten und Logbucheinträgen. Auf unserem Stop in Cherbourg trafen wir uns mit unseren „alten Bekannten“ Margot und Axel von der Max II und lernten Frank von der Invidia und Peter und Angela von der Mizar kennen und verbrachten mit allen schöne, gesellige Stunden bei sommerlichen Temperaturen.

Nach drei Tagen ging es wieder weiter gen Westen. Das 176sm entfernte Camaret sur Mer wartete auf uns. Die Bedingungen waren ähnlich der ersten Etappe und so lief alles seinen gewohnten Gang. Und dann erlebst Du etwas, auf das Du Dich Jahre gefreut hast und denkst du bis gut vorbereitet. Ich sitze früh morgens im Cockpit, eine weitere Nacht liegt hinter uns und die Morgensonne vertreibt die Kälte und Feuchtigkeit aus meinen Gliedern. Susi hat Freiwache und schläft.

Gedankenverloren, soll ich mir jetzt schon einen frischen wärmenden Kaffee aufbrühen oder doch erst später, nehme meine Ohren ein leichtes Schlagen und Blasen neben dem Schiff wahr. Plötzlich hellwach, ob der ungewohnten Geräusche, traue ich meinen Augen nicht. Da sind sie, Delfine. Eine ganze Gruppe dieser verspielte, friedlichen, eleganten und schnellen Tiere hatten sich unsere Tosimotu zum spielen ausgesucht. Susi war schnell geweckt und an Schlaf nicht mehr zu denken. Zu aufgeregt waren wir. Die erste Begegnung, sie sprangen, drehten sich, zeigten uns ihren Bauch, spielte mit den Wellen um unseren Bug und tauchten unter uns durch. Unsere Bootsgeschwindigkeit mit zu schwimmen erschien für sie spielerisch möglich. Mit ein paar Schlägen ihrer Schwanzflosse waren sie uns enteilt, ließen sich zurück fallen, um dann wieder mit neuem Anlauf in unserer Bugwelle zu spielen. Wir konnten uns nicht satt sehen und fanden kaum Worte unsere Gefühle auszudrücken. So leise sie gekommen waren, so leise schwammen sie mit ihren stromlinienförmigen Körpern ihren eigenen Weg, nach einer viertel Stunde. Wir blieben zurück, hingen diesen magischen Momenten nach und die Zeit verstrich.

Die Nächten Tage waren wieder stärker geprägt von menschlichen Begegnungen. 😉 Aber nicht weniger schön. Bei unserem Stop in Camaret sur Mer trafen wir Angelika und Ludger von der Papillion, Frank von der Invidia und Ulrike und Pierre von der Dawn. Besucht wurden wir noch von meiner ältesten Tochter Swantje und ihrer Freundin Tamara, die auf dem Rückweg von ihrer dreimonatigen Wohnmobilreise durch Frankreich, Spanien und Portugal waren. Zwei wundervolle Tage verbrachten wir zusammen, ehe sich unsere Wege wieder trennten.

Nicht aus den Augen verloren wir in diesen Tagen natürlich die Wetterentwicklung über der Biskaya. Warteten wir doch auf ein günstiges Wetterfenster für einen dreitägige Offshoretörn über die Biskaya nach A Coruna, unser nächstes Etappenziel in Spanien.

Davon und von den Erlebnissen und Eindrücken dieser für Langzeitsegler wichtigen „Generalprobe“ gibt es dann im nächsten Blogbericht.

 

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1. kommt es anders und 2. als man denkt

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Nach vielen Monaten melden wir uns zurück auf unserem Blog. Es hat sich in dieser Zeit, vermutlich nicht nur bei uns, viel Unvorhergesehenes ereignet. Corona hat die Welt seit März diesen Jahres erschreckend einschneidend verändert. Das wurde in den letzten Monaten nicht nur vielen Seglern bewusst. Die Vorstellung, die Krise auf einem Segelboot auszusitzen ist nicht so einfach wie man es sich vielleicht vorstellt. Unbeschwertes Reisen durch die Welt ist plötzlich nicht mehr möglich. Viele mussten ihre Pläne ändern und auch uns wurde schon früh bewusst, dass wir unsere Pläne überdenken müssen. Somit haben wir als einzig sinnvolle Konsequenz unsere Umzugspläne über Bord geworfen und uns entschieden, nicht auf unsere ToSiMotu zu ziehen, sondern in unserem Haus wohnen zu bleiben. Wir werden mit unserem Boot reisen und das auch Richtung Süden, werden uns aber vorerst auf das Mittelmeer beschränken. So bleiben wir flexibler und können je nach Situation abwägen wie lange wir wo verweilen. Uns beruhigt es sehr, in diesen ungewissen Zeiten unsere Reisen jeder Zeit abbrechen zu können und zu wissen, wohin wir zurück können. Zu erwähnen wäre an dieser Stelle vielleicht noch, dass auch unseren Eltern und unseren Kinder diese Entscheidung, unseren Anker in Düsseldorf zu lassen, sehr entgegen kommt.

An unserem ursprünglichen Plan, Anfang Juli 2021 zu starten, halten wir erst mal fest, allerdings werden wir nur einen längeren Törn machen und dann die kalte Jahreszeit in Düsseldorf sein. Geplant ist es von Zeeland erst einmal zu den Kanalinseln zu segeln, dann über die Biskaya vorbei an der portugiesischen Küste, der Algarve und durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer. Mal schauen wie weit wir wirklich kommen. Die täglichen Meldungen über die Ausbreitung des Virus und die möglichen Einreisebeschränkungen und Grenzschließungen werden wir stets aufmerksam verfolgen. Aber wir sind zuversichtlich, mit dem von uns nun neugeschaffenen, entspannteren Plan eine für uns zufrieden stellende Alternative zum Umzug auf´s Boot geschaffen zu haben.

Wir hoffen, dass ihr alle gut durch die Krise kommt, bleibt fair und solidarisch und bleibt vor allen Dingen gesund. Wir denken positiv, denkt auch ihr so und haltet euch an die Regeln.

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Besucherwochen auf der ToSiMotu

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673 Tage bis zum Umzug auf´s Schiff

Nach der Ruderinstandsetzung und wunderschönen Sommertagen in den Schären und in der Stadt Kalmar, den Häfen Simrishamn und Abbekas mussten wir Strecke machen damit wir am 5. August pünktlich in Kopenhagen in der Wilderplats Marina mitten in der Innenstadt ankamen um tags darauf Thomas jüngste Tochter Livke in Empfang zu nehmen. Livke wollte die nächsten 5 Tage mit uns verbringen. Nach einem ausgiebigen nach- Geburtstagsfrühstück mit vielen Leckereien für Livke ging es auf eine Stadttour durch Kopenhagen. Kopenhagen eine wunderschöne, bunte, voller Lebensfreude ausstrahlende junge Stadt, begeisterte uns vom ersten Augenblick. Wenig Autoverkehr, dafür umso mehr Leute unterwegs auf  Fahrrädern, viele bunte Häuser und verwinkelte Straßen, eine alt moderne Stadt in der sich das junge sommerliche Treiben  insbesondere auf den Plätzen an den Kanälen abspielte.

Die folgenden Tage hatten wir mit Livke viel Abwechselung. Über Skanör, ein Hafen mit einem wunderschönen Sandstrand direkt am Hafen gelegen, an der Südwestspitze von Schweden, ging es weiter über Malmö und zurück nach Koppenhagen. Empfehlen können wir für einen Besuch in Malmö die Dockan Marina. Eine in den letzten Jahren neu entstandene Marina in einem ehemaligen Trockendock gelegen, inmitten einer neu entwickelten modernen Hafencity. Von hier aus ist die Innenstadt Malmö fußläufig sehr gut zu erreichen. Wir selber sind auf diese Marina durch eine niederländische Reisebekanntschaft, die wir einige Tage zuvor kennen gelernt hatten, aufmerksam gemacht worden. Wir stellten zunehmend fest, das die Segelcommunity für uns umfangreicher wurde und funktionierte. Empfehlungen geben und Empfehlungen bekommen, Erfahrungen weitergeben und mit Erfahrungen anderer Segler versorgt zu werden, wie wunderbar ist die Gemeinschaft Gleichgesinnter. Livke nutze die Segeltörns selber zu steuern, was sie sichtlich genoss. Viel zu schnell ging die gemeinsame Zeit mit ihr vorbei und so stand für sie am Sonntag Abend der Heimflug an.

Für uns hieß das an dem Tag „fliegender Wechsel“ und neue Crewmitglieder an Bord zu begrüßen. Tanja und Catrin, Susi ´s Freundinnen, hatten sich angekündigt und wollten uns die folgenden neun Tage auf unserem Törn nach Cuxhaven begleiten. Leider gestaltete sich der Hochsommer streckenweise als Spätherbst, sodaß wir teilweise Törns bei bis zu 8 Windstärken und 3 Meter hohen Wellen machten, was sich für die Beiden anfangs durchaus als sehr „gewöhnungsbedürftig“ heraus stellte. Aber dank Superpepp Tabletten ereilte keinen der Crew das Allerschlimmste. Den Bikini hatten die Zwei vergebens eingepackt, dafür wurde alles was sich im Koffer befand übereinander angezogen um auf den teilweise 13 Stunden Törns dem kalten Wind und den immer wieder aufkommenden Regenschauern zu trotzen. Beide haben sich allen Wiedrigkeiten zum Trotz super geschlagen, alles tapfer ertragen und jeder hat erfolgreich seinen Teil zum Gelingen dieses Törnabschnitts beigetragen. So das wir zwar keinen sommerlichen aber dennoch kurzweiligen, gemeinsamen und schönen Törn hatten.

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Glück im Unglück

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699 Tage bis zum Umzug auf´s Schiff

Todesmutig stieg Thomas in seinem Neopren in die 20 Grad kalte Ostsee um unser Ruder abzutauchen. Es war Mittwoch, der 24.07.2019 09:44 Uhr, in einer Schärenbucht irgendwo im schwedischen Nirgendwo. Als er auftauchte schaute er mich schockiert an und sagte: „Du willst nicht wissen, was ich gerade gesehen habe…!!!“
Wir hatten schon zwei Tage vorher gemerkt, dass mit dem Ruder etwas nicht stimmte. Es war etwas schwergängig und fing irgendwann an zur Backbordseite hin leicht zu blockieren. Da wir keine Grundberührung hatten, was hier in den Schären, wegen der vielen Steine die oft kaum erkennbar, knapp unter der Wasseroberfläche liegen, gar nicht so selten vorkommt, vermuteten wir, dass sich ein Seil oder Ähnliches in der Ruderanlage verfangen hatte. Leider weit gefehlt. Unser Ruder war, wodurch auch immer, aus der unteren Aufhängung gehebelt worden und hing an der Rumpfbefestigung, ca. 15 cm nach Backbord verbogen, neben dem Kiel. Ach du Sch…..! Was jetzt???? Das Boot muss aus dem Wasser! Wo ist der nächste Hafen mit einem Kran der 13 Tonnenschiffe heben kann???? Wie weit können wir überhaupt mit dem kaputten Ruder noch fahren???? Lässt sich das reparieren???? Ist unsere Reise hier vielleicht schon zu Ende???? Mittelschwere Panik machte sich in uns breit. Sowohl auf unseren Seekarten, als auch in Google konnten wir keinen passenden Hafen finden. Arkösund wäre ca 15 sm weg gewesen aber es war für uns nicht herauszubekommen, ob der Kran der Ortsansässigen Werft auch Schiffe unseres Gewichtes kranen kann. Was also tun???? Auf gut Glück diese Strecke zurück fahren? Da hatte Thomas eine Idee. Kurzentschlossen paddelten wir mit dem Dingi rüber zu zwei schwedischen Booten, die mit uns in der Bucht lagen. Vielleicht kannten sie sich ja hier in der Gegend aus.
Thore von der „Ulla Margaretha“ hörte sich unsere Geschichte an, nickte und sagte: „In unserem Hafen gibt es eine Kran der das kann. Das ist keine 2 sm von hier. Wir brechen eh in etwa einer Stunde hier auf, dann könnt ihr hinter uns her fahren.“ Er gab uns die Handynummer des Werftbesitzers den wir sofort anriefen. Johan war zwar gerade im Urlaub aber für ihn kein Problem, er würde einem Kumpel Bescheid sagen, der könnte uns dann heute noch kranen. Wenn wir es nicht selbst reparieren könnten, wäre er allerdings erst am Samstag wieder da, um sich den Schaden anzugucken.
Wow, was für eine plötzliche Wendung. Heute noch kranen in einem 2 sm entfernten Hafen den es laut unseren Karten und laut Kartenplotter gar nicht gibt…?!?! Vielleicht können wir das Ruder ja tatsächlich selbst reparieren, wenn nicht, müssen wir halt bis Samstag oder falls Ersatzteile bestellt werden müssen, bis Anfang nächster Woche dort liegen, was natürlich unser Vorhaben, am 05.08. in Kopenhagen zu sein, um Thomas Tochter Livke an Bord zu nehmen gefährden könnte, aber mit kaputtem Ruder könnten wir ja auch nicht weiter… Wir sagten also unserem Bootsnachbarn, wie auch dem Werftbesitzer zu.
Eine Stunde später tuckerten wir der „Ulla Margaretha“ hinterher mit Echolot und angehaltenem Atem, denn laut aller unserer Karten fuhren wir auf ein Nichts zu, das in 1 Meter Wassertiefe lag. Plötzlich tauchten Fahrwassertonnen auf und kurz darauf konnte man Masten sehen. Unglaublich! Es gab diesen Hafen, der in keiner Karte steht tatsächlich. Und da stand wirklich ein Kran und auf dem Kran stand eine Tonnenschild mit einer wunderbar große n 16. Was für ein Glück!!! Wir riefen Johan an, der sofort seinen Kumpel schicken wollte. Kurz drauf kam noch Thore mit seiner Frau und fragte besorgt, ob wir genug zu essen und zu trinken hätten. Der nächste Ort und Supermarkt wäre 20 km weg und es gäbe hier draußen keinen Bus. Sie könnten uns gern was besorgen, gaben uns ihre Handynummer und sagten, wir könnten jeder Zeit anrufen, wenn was wäre… Sie wünschten uns viel Glück für die Reparatur. Unfassbar, diese Schweden…!!! ? Endlich kamen unsere Schnapsfläschchen zum Einsatz, die wir auf Anraten von unseren Freunden Sanni und Jens gekauft hatten und die, als „Dankeschön“ bei den von hoher Alkoholsteuer geplagten Schweden, allgemein sehr gut an kommen.
Kurz drauf kam Patrik. Der tiefenentspannte, junge Mann tüftelte nun fast zwei Stunden mit uns zusammen am Kran und am Boot herum. Er hob unsere Tosimotu mindestens 15 Mal ein Stück raus und wieder rein ins Wasser während wir die Tragegurte hin und her schoben, ein Stag nach dem anderen lösten, bis endlich alles passte und die 13 Tonnen sicher aus dem Wasser an Land auf den Bock gesetzt werden konnten. Puh, und das alles bei gefühlten 50 Grad im Schatten. Wir tranken mit Patrik noch ein wohlverdientes Bier und schenkten auch ihm zwei Dankeschön-Fläschchen, bevor er wieder zur Arbeit fuhr.
Ein kritischer Blick auf das verbogene Ruder ließ bei uns Hoffnung aufkeimen, es selbst reparieren zu können. Hohle Klopfgeräusche sagten uns, dass kein Wasser ins Ruder eingedrungen war und da auch die Ruderwelle nicht beschädigt zu sein schien, trauten wir uns das Ruderblatt ganz vorsichtig, um keinen weiteren Schaden an der verbogenen Aufhängung zu provozieren, Stück für Stück wieder zurück zu biegen. Wir hoben von innen den Koker an, und setzten das Ruder wieder auf den Metalbolzen, von dem es runtergesprungen war. Plötzlich klopfte es von außen an den Rumpf. Ein anderer Kumpel von Johan hatte gehört, wir hätten Probleme mit dem Ruder und er war vorbei gekommen um zu gucken, ob wir Hilfe bräuchten. Dieser Freund fand dann auch den Ablass der Fettleitung der Stopfbuchse, um das Ruder wieder runter zu lassen, damit es nicht wieder von dem Bolzen springen kann. Natürlich wollte er kein Geld, er sein nur so vorbei gekommen um uns zu helfen… Ich sagte glaube ich schon: Unglaublich, diese Schweden…?!!! Nachdem wir auch ihm mit unseren Flüssiggeschenkchen eine Freude machen konnten, riefen wir wieder bei Kran-Patrik an, der versprach, in etwa einer Stunde zu kommen, um uns wieder ins Wasser zu lassen. Wir kontrollierten von innen und außen genau ob nirgendwo Wasser eindringt, aber alles war dicht. Einen kurzen Schreckmoment gab es allerdings noch, als sich der Kran plötzlich nicht weiter in Richtung Wasser drehen wollte, weil sich ein Zahnrad verklemmt hatte. Thomas und Patrik konnten aber Gott sei Dank durch kräftiges Ziehen an den Festmachen, wodurch sie den Kran und unser Boot per Muskelkraft drehten, die Blockade wieder lösen. Der Rest des Zuwasserlassens ging dann super schnell! Als wir nach der Bezahlung fragten, sagte Patrik, dass Johan uns die Rechnung mailen würde, wir sollten nur unsere Mailadresse da lassen…!?!? In Deutschland wäre sowas kaum denkbar. Hier in Schweden hingegen wird Vertrauen gross geschrieben und scheinbar selten missbraucht.

Um 19:15, nicht mal 10 Stunden nach unserer schockierenden Feststellung vom Morgen, ließen wir, geschafft aber glücklich und unendlich erleichtert darüber, soviel Glück im Unglück gehabt zu haben, den Anker in der Nähe unserer Ankerbucht vom Morgen fallen. Wir waren noch immer ganz geflashed von so viel Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und entspannter Gelassenheit die uns heute wie selbstverständlich von all diesen tollen Menschen aus Schweden entgegen gebracht wurde. Vielen Dank nochmal an Euch alle aus dem „Secret-Habour“ mit dem Namen Björnö!!!

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Stockholmer Schären-Liebe

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699 Tage bis zum Umzug auf´s Schiff

Wie versprochen gibt es hier nochmal ein Schären-Special.
Schwedische Eiszeit-Überbleibsel in ihrer schönsten Form finden sich für unseren Geschmack tatsächlich im Umkreis von ca 40 sm in der Nord-Ost/Süd-Ost Ausdehnung, vorgelagert vor Stockholm. Dieser Mix aus schroffen, kahlen, bemoosten Felsen, manche bewachsen mit flachen Sträuchern, Gräsern und Wildblumen, wieder Andere mit Kiefern oder Laubbäumen oder beiden, mal wie ein Dickicht, mal nur Einzelne Bäumchen. Man sieht kleinste Inselchen nicht größer als unser Schiff, mittlere Inseln mit und ohne diesen süßen Schwedenhäuschen, perfekt im Detail abgestimmt aufs obligatorische Saunahäuschen, da sind 20 Meter hohe und dann wieder ganz flache Inseln mit schwarzen, hellen oder rötlichen Steinen, teilweise so groß wie ein Blauwalrücken. Die Steine sind so wunderbar sanft abgerundet und trotz ihrer kargen Gestalt nie bedrohlich, immer einladend zu einer Sitzpause mit ihrer Weichheit und der Wärme die sie über den Tag gespeichert haben. Am meisten geliebt haben wir die Buchten, die wir für uns allein hatten. Geankert wird hier in Schweden eh wenig, die meisten Einheimischen legen lieber an den Schären selbst an. Gut für uns. Diese Idylle und dieses Gefühl diese wunderschöne Natur ganz allein für uns zu haben war wunderbar. Am Ankerplatz mit dem Dingi die Inseln zu erkunden und immer wieder von Neuem überrascht und angetan zu sein von dieser kargen Schönheit, nach einem heißen Tag im kühlen, klaren Wasser zu baden, Abends die Sonnenuntergänge zu genießen, einer schöner als der andere, morgens als erstes von Bord zu springen um sich den Schlaf aus den Augen zu waschen…., HERRLICH!!! Genau das was wir uns erhofft hatten, besser sogar!!! Es ist allerdings zu bemerken, dass das Baden erst seit zwei Wochen möglich. Jetzt haben wir gut 21 Grad Wassertemperatur, davor war es wegen des recht unbeständigen Wetters teilweise nur 14 Grad. Dafür wird die Wasserqualität der Ostsee durch die Wärme schlechter. Von Tag zu Tag nehmen die Algen zu, die tun zwar nix aber schränken trotzdem die Lust aufs Baden ein, trotzdem haben wir bisher immer ein schönes Plätzchen zum plantschen gefunden.
Wir können nur sagen, schaut euch die Bilder an, die sprechen für sich, wenn euch das so anspricht wie uns, dann fahrt in die Stockholmer Schären. Und wenn ihr keine 3 Monate Zeit habt, chartert Euch für zwei Wochen ein Boot ab Stockholm. Ihr werdet es lieben!!!!

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Stockholm

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708 Tage bis zum Umzug auf´s Schiff

Auf unserer Reise sollte natürlich ein ausgedehnter Besuch Stockholms nicht fehlen. Außerdem wollten wir hier meine Tochter Luisa in Empfang nehmen, die aus Düsseldorf geflogen kam, um unsere Crew für fünf Tage zu verstärken. Bereits zwei Wochen vor unserer Ankunft in Stockholm hatten wir sehr unkompliziert über die Hafenreservierungsplattform Dockspot im Wasahafen vorreserviert. Dies stellte sich als nur geringfügig teurer aber als sehr komfortabel heraus, was die Sicherheit betraf, im Zentrum des überlaufenen Stockholms einen Liegeplatz zu bekommen und die schojenfreie Lage im Wasahamnen selbst.
Die südöstliche Einfahrt nach Stockholm ist wirklich Eindrucksvoll. Durch immer enger werdende Fahrwasser (teilweise kann nur jeweils ein Schiff die Enge passieren) fährt man entlang einer immer dichter werdenden Bebauung. Zur Rechten und zur Linken liegen Unmengen wunderschöner (Schweden-) Häuser teilweise hoch oben auf den Schären, verbunden über ellenlange, gewundene Treppen mit ihren privaten Bootsanlegern, der Badeplattform und dem obligatorischen Saunahäuschen. Circa sechs Seemeilen vor dem Zentrum Stockholms werden die Wasserstraßen wieder breiter und es gesellen sich neben den Sportbooten auch Ausflugsschiffe, Fähren und Kreuzfahrtriesen hinzu. Kurz vor der Einfahrt in den Wasahafen öffnet sich der Blick auf die Stockholmer Innenstadt mit ihrer Fülle von imposanten und bestens restaurierten Prachtbauten die diese Stadt am Wasser so eindrucksvoll machen. Der Zentral gelegene aber trotzdem überraschend ruhige Wasahamnen liegt auf der Insel Djurgården, direkt am Vasamuseum, dem Freizeitpark Gröna Lund und dem ABBA Museum. Zu der berühmten Altstadtinsel Gamla Stan und zur Haupteinkaufsstraße Drottninggatan läuft man ca. 25 Minuten. Die Stadt ist im Sommer, allein schon wegen der vielen Kreuzfahrtschiffbesucher sehr überlaufen. Trotzdem kann man sich dem pompösen Flair dieser Stadt nicht entziehen und wir raten jedem, der in diese Gegend kommt, unbedingt einen Abstecher hierhin zu unternehmen.
Wir waren trotzdem nicht traurig als es nach drei Tagen wieder hinaus in die Natur und die leider nicht mehr ganz so leicht zu findende Einsamkeit der Schären ging. Das guten Sommerwetter hatte mittlerweile auch den letzten schwedischen Sportbootbesitzer auf´s Wasser gelockt. Da wir aber eh lieber ankern, als an den Schären direkt mit Heckanker und Landleine fest zu machen, wie es gut 90% der Schweden am liebsten tun, finden wir auch in den volleren Buchten immer noch ein ruhiges Plätzchen. Aber dazu mehr im nächsten Eintrag.

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Tjockö, Björko, Högmarso, Storskär, Kroskö

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714 Tage bis zum Umzug auf´s Schiff

Nur einige der Namen, der Inseln, die wir in den letzten Tagen besucht haben. Wir haben uns durch die Inselwelt treiben lassen und meist Morgens entschieden wo es dann als nächstes hingehen soll. Dabei war der Wind und die Wettervorhersage für die nächsten 24  Stunden hilfreich bei der Entscheidung, welche Bucht uns Schutz bietet für die Nacht vor Anker.
Wir bewegen uns seit vielen Tagen in einer absolut spektakulären Natur, von dicht bewaldeten Schären je näher wir nach Stockholm kamen, bis hin zu zerklüfteten kaum bewachsenen Inseln. Von größeren einzelnen Inseln bis hin zu ganzen Archipele mit kleinen, ganz kleinen, winzig kleinen und einzelnen Felsen, die aus dem Wasser ragen. Tückisch sind die Felsen, die dicht unter der Wasseroberfläche schlummern. Diese sind meist nicht zu erkennen wenn sie vom Wasser nicht umspült sondern überspült werden.
Einzig allein das Wetter hat uns in den letzten Tagen für bessere Bilder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der soviel gepriesene schwedische Sommer lässt weiter auf sich warten und fordert unsere Geduld. Zeigt sich dann mal die Sonne zwischen den tiefhängenden Wolken oder den über uns hinwegziehenden Regenwolken, zücken wir die Kamera und versuchen Erinnerungen fest zu halten. Bedeckter grauer Himmel, dunkles Wasser, graue Felsen und dunkelgrüne Wälder, alles erscheint ohne Sonnenlicht in dunkelen Farben und lässt uns keine schönen Fotos machen. Da erscheinen selbst die sonst im Sonnenlicht so farbenfrohen Häuser an den Ufern triste. Auf der anderen Seite hat das den Vorteil, dass noch nicht so viel Betrieb und Trubel herrscht, obwohl hier seit Mitte Juni die Sommerferien begonnen haben. Wir wurden schon früh auf unserer Reise darauf hingewiesen, dass die Schären um Stockholm sehr voll seien und oft ab dem frühen Nachmittag kein Platz mehr zu bekommen sei. Das können wir bisher nicht bestätigen und die Warnungen trafen nicht zu. Wir waren in den meisten Buchten und Inseln alleine. Wir konnten kommen und fahren, ohne uns über einen Ankerplatz Gedanken machen zu müssen.
Zum Abschluss unserer ersten, ausgedehnten, Inseltour durch die nördliche Schärenwelt von Stockholm sind wir dann in Richtung der schwedischen Hauptstadt gefahren. Hier hatten wir uns einen Liegeplatz im Wasahamn via Internet über dockspot.se reserviert. Wir hatten gelesen, dass, dies nicht nur empfohlen wurde sondern wirklich notwendig sei, da dieser Hafen sehr gut gelegen in der Nähe der Innenstadt, im Sommer oft überfüllt sei und ohne Vorreservierung kaum ein Platz zu bekommen ist. Hier nehmen wir am 13.07. ein neues Crewmitglied in Empfang. Susi ´s jüngste Tochter Luisa besucht uns für 5 Tage.

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Klassische Rollenverteilung? Oder: Wie ich zum Brotbacken kam

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725 Tage bis zum Umzug auf´s Schiff

Thomas hat mir vom ersten gemeinsamen Tag auf seinem Boot an vermittelt, dass wir Beide alle Aufgaben an Bord gleich-verantwortlich können und machen sollen, was ich ihm bis heute hoch anrechne, da er ja schließlich damals nicht wissen konnte, ob meine Geschichten auch wirklich stimmten, dass ich seit meinem 10. Lebensjahr segele, ein eigenes Segelboot habe und viele, viele Jahre und Seemeilen Erfahrungen auf den unterschiedlichsten Charterbooten ersegelt habe. Trotzdem musste ich feststellen, dass eine gewisse „Hauptverantwortungsverteilung“ an Bord gar nicht so schlecht ist. Aus diesem Grund habe ich die Verantwortung für unsere Sicherheit in erster Instanz vertrauensvoll an Thomas abgegeben, Klischee hin oder her, natürlich immer mit einem wachsamen Auge auf das was passiert und was er tut; und ohne Scheu zu sagen, wenn ich seine Entscheidungen bezweifele oder Situationen anders einschätze. Weil mich der Job der ersten Admiralin dann aber doch nicht ausreichend erfüllt, habe ich mir ein anderes, wichtiges Tätigkeitsfeld gesucht, (natürlich in der permanenten Fachdiskussion mit Thomas) nämlich die Verproviantiesierung, Lagerung und Haltbarmachung unserer Lebensmittel. Ebenso habe ich mich des Weiteren unserer möglichst lukullischen und abwechslungsreichen Verpflegung an Bord verschrieben. Auch wenn das vielleicht wieder dem gängigen Klischee entspricht, wobei ich sagen muss, dass auch Thomas ausgesprochen gut kochen kann und das an Bord auch tut, finde ich diese „ Hauptverantwortungsverteilung“ gut, sinnvoll und Früchte tragend. Ich habe zu Hause auch schon immer gerne gekocht und in der Küche experimentiert, aber trotzdem war ich eigentlich, wenn es sozial verträglich war, schon immer ein Convenience Foot Fan. Mit Lebensmitteln, deren Lagerfähigkeit und Haltbarmachung hatte ich mich bisher, dank Supermarkt um die Ecke und Kühl und Gefrierschrank, nie wirklich beschäftigen müssen. Plötzlich wurde jedoch die Praktikabilität an Bord immer wichtiger. Wir wollten ja auch dort gerne weiter genießen können, wo Infrastruktur, Beschaffungsmöglichkeiten und Kühlschrankkapazität stark eingeschränkt sind. Also war Umdenken gefordert. Ich war z.B nie der große Brotbäcker, gibt es doch überall lecker Brot, von Aldi bis zum Biobäcker, aber mangels Angebot am geliebten Ankerplatz, und um der Liebe zum Bütterchen am Morgen Willen, wird man halt erfinderisch. Dank Google bieten sich dem Backwilligen Unmengen an Rezeptmöglichkeiten. Meine, so zu sagen, fundamentale, erste Boot-Backquelle habe ich auf der Internetseite 4Reifen1Klo.de gefunden. Diese geniale Frau hat nämlich sozusagen, den Omnia Backofen zu uns an Bord gebracht. Ihr Kürbiskernbrot war mein erstes und vermutlich zwanzigstes Brot. Einfach nur genial! Die Zutaten schnell zusammen gerührt, kein lästiges „Gehenlassen“ und nach alles in allem einer knappen Stunde, hat man zum Frühstück sein mega leckeres, frisch gebackenes Brot. Irgendwann wurde ich mutiger, denn wir wollten Abwechslung. Kräuter folgten, dann verschiedene Mehlsorten, Nüsse, Früchte, selbst an mein eigenes Brotgewürz mit Anis, Fenchel, Kümmel und Koriander (hab immer noch Oberarmmuskelkater vom Mahlen im Mörser) habe ich mich herangetraut. Es gab Pizzabrot und Zwiebelbrot als Snack und sogar Apfelkuchen. Was ich damit sagen will: KAUFT EUCH DIESEN OMNIA BACKOFEN! 45 Minuten auf kleinster Flamme auf dem Gas- oder Petroleumherd und ihr seid, (solltet ihr Brot-statt Müsliliebhaber sein) egal wo ihr seid auf der Welt, Brot-glücklich! In diesem Sinne:

Guten Appetit!

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