Was wir gemeinsam noch nie gemacht haben …

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745 Tage bis zum Umzug auf´s Schiff 

…haben wir das erste mal am Dienstag den 12.06. gemacht. Wir haben uns auf einem fremden Schiff einen Platz gebucht. Als ob wir nicht schon genügend Schiff in den letzten zwei Wochen gefahren sind. Aber wir hatten keine Lust mit der Bahn nach Rostock, unserem heutigen Ausflugsziel zu fahren. Und da wir gern noch mehr sehen wollten als nur die Stadt, haben wir bei bestem Sommerwetter gleich die Bootstour mit der großen Hafenrundfahrt gebucht. So ging die Fahrt von Warnemünde aus mit viel Tourierklärung, aber sehr aufschlussreich, nach Rostock. Dort haben wir uns dann durch die Stadt treiben lassen, denn einen richtigen Plan, was wir uns anschauen wollten hatte wir nicht. Ein zweistündiger, entspannter Rundgang gewährte uns dann jedoch viele Eindrücke von dem bunten, lebendigen Stadtleben Rostocks. Wir hatten Glück, dass an diesem Tag kein Kreuzfahrtriese in Warnemünde festgemacht hatte und mehrere tausend Reisende die Stadt überfluteten. Rostock hat uns sehr gut gefallen mit seiner Mischung aus alten, traditionellen Bauten, die sehr schön und aufwendig restauriert wurden, und moderner Architektur. Das Wasser ist in der Stadt immer präsent, wir haben selten so viele Brunnen und Wasserspielplätze in einer Stadt gesehen. Zurück ging es dann wieder mit dem Boot und dem zweiten Teil der großen Hafenrundfahrt. Zum gelungenen Tagesabschluss gab es dann in Warnemünde noch ein Eis. Zum Glück waren wir noch pünktlich zurück auf unserer Tosimotu, bevor an dem Abend eine spektakuläre Gewitterfront über uns hinweg zog. Die Blitze gingen rings um uns herum nieder und erleuchteten den Hafen taghell. Es regnete sehr heftig. So heftig, dass die großen Wassertropfen, die auf unsere Kuchenbude fielen, sich durch den frisch imprägnierten Stoff durchdrückten. Also verkrochen wir uns ins Schiffsinnere und warteten ab, bis Stunden später dann der Regen nachließ. Zu unserer großen Verwunderung mussten wir feststellen, dass unser AC Landanschluß im Schiff ausgefallen war. Die erste Reaktion: Stromausfall im Hafen durch Blitzeinschlag. Bei einem Blick nach draußen zeigte sich jedoch der Steg erleuchtet und ein Blick auf den Sicherungskasten am Steg ließ auch keinen Ausfall feststellen . Bisher war es schon mal vorgekommen, dass die Überlastsicherung am Trenntrafo herausgesprungen war. Diese Ursache war dann immer schnell behoben. Jetzt zeigte sich jedoch, die Sicherung war nicht rausgesprungen, die Kontrollleuchte war am Trenntrafo aber erloschen. Zusätzlich war die Kontrollleuchte der Bordstromversorgung ebenfalls aus und die Eingangsleuchte am Trenntrafo war an. Jetzt war guter Rat teuer denn wir wollten am nächsten Tag nach Barhöft und dann weiter über Hiddensee nach Bornholm segeln. Aber ohne funktionierende Landstromversorgung? Wir stellten uns die Frage, ob wir diese Angelegenheit unterwegs regeln können. Die Antwort blieben wir uns allerdings erst mal schuldig und gingen in unsere Koje, denn wir hatten entschieden, dass wir am nächsten Morgen um 4 Uhr los wollten. Die Windvorhersage versprach West 3 – 4 Bft, gegen Mittag von Westen her abnehmend. Für uns eine ideale Konstellation für die rund 50 Sm, um um Darßer Ort herum, nach Barhöft zu segeln. Und das Thema defekter Landanschluß bzw. Trenntrafo konnten wir sicherlich auch unterwegs angehen und die notwendigen Telefonate dazu führen. Also ging es dann am Donnerstag, den 13.06. um vier Uhr los, dem Sonnenaufgang entgegen. Gefrühstücket wurde unterwegs, so wie wir es schon häufiger gemacht hatten wenn wir zu früher Morgenstunde abgelegt hatten. Der Tag verlief dann jedoch zu unserem Leidwesen anders als geplant und vorhergesagt. Es war nach der Gewitterfront vom Vorabend von dem angekündigten Wind nichts übrig geblieben. Lediglich eine unangenehme Dühnung begleitete uns und die Segel schlugen heftig in den Rollbewegungen des Schiffes. So blieb uns nichts Anderes übrig, als den Motor zu starten, die Segel wieder zu bergen und die Fahrt unter nicht segelerischen Bedingungen zu starten. Ausgehen sollte der Motor dann erst wieder rund neun Stunden später im Hafen Barhöft. Wir waren angekommen aber zufrieden waren wir nicht so richtig. Und in der Angelegenheit Trenntrafo waren wir auch nicht weiter gekommen. Wir hatten den ganzen Tag kein Handynetz (klar, wir waren ja auch in Deutschland unterwegs…) und so scheiterte jede Kontaktaufnahme und jeder Klärungsversuch zur Fehlerlokalisierung. Aber gut, das Ding läuft uns ja nicht weg, repariert sich zwar auch nicht von selbst aber ob heute oder morgen ist nicht entscheidend. An dieser Stelle wurde plötzlich eines klar: Wir sind angekommen! Wir sind entspannt, wir haben die Langsamkeit entdeckt und stellen gerade fest, dass uns so ein defektes Teil nicht aus der Ruhe bringt. Das wäre vor zwei Wochen noch ganz anders gewesen, da hätte sicherlich erst die Instandsetzung vor der Weiterfahrt gestanden.

Für den Nachmittag und Abend hatten wir uns mit unseren Freunden Doro und Götz in Barhöft verabredet. Geplant war, dass sie ebenfalls mit ihrem Schiff zu uns gesegelt kommen. Aber ihr defekter Kühlschrank, bzw. ein fehlendes Ersatzteil, hinderte sie an der Weiterfahrt. Ein funktionierender Kühlschrank ist, zumindest für jeden Segler den wir kennen, wegen des unbedingt einzunehmenden, eisgekühlten Anleger-Getränkes, überlebenswichtig.  So kamen sie kurz entschlossen mit dem Auto nach Barhöft, wo wir erst bei uns an Bord und später im Restaurant Seeblick, welches direkt am Hafen liegt, einen sehr lustigen Nachmittag und Abend verbrachten. Spät sind wir dann in unsere Kojen gefallen, nicht aber ohne uns vorher mit den Beiden noch für den übernächsten Tag in Kloster auf Hiddensee zu verabreden um dort unsere „tiefschürfenden Gespräche“ fortzusetzen.

Aber, ach ja, da war ja noch was, erinnerte ich mich Freitag Morgen an den den nicht funktionierenden Trenntrafo… Manchmal lassen sich allerdings, zunächst unüberwindbar scheinende Probleme, mit einigen e-Mails, Telefonaten und gemailten Bildern dann doch sehr zügig lösen. Mit Hilfe eines sehr kompetenten Mitarbeiters der Firma Philippi, war schnell geklärt, dass der Einschaltstrombegrenzer defekt war. (Tatsächlich, sowas haben wir…?!?) Dieser konnte jedoch leicht überbrückt und der Trenntrafo wieder eingebaut werden. Jetzt verichtet er wieder seine treuen Dienste und schützt unser Stahlschiff vor ungewollter galvanischer Korrosion. Eine neue Platine werden wir dann nach unserer Reise einsetzten.

Mittags machten wir uns dann auf den Weg nach Kloster auf Hiddensee. Ein herrlicher Sommer-Sonnentag begleitete uns. Nur mit Kutterfock ließen wir uns von dem ganz leichten Wind bei zwei Knoten Geschwindigeit durch die engen Fahrwasser zu unserem Ziel ziehen. Susi nahm während der Fahrt ihr erstes Bad im Meer für dieses Jahr. Das Gefühl von „Endlich Sommer“ konnte man sehr deutlich in ihrem Gesicht ablesen. Abends gab´s dann zur Abwechslung mal wieder ein Gewitter. Nach einer ausgiebigen Nachtruhe und einem späten Frühstück trafen dann erneut unsere Freunde ein. Sie waren morgens früh in Stralsund los gesegelt, um den Tag mit uns in Kloster zu verbringen. Auch sie haben Urlaub und könnten den Tag etwas langsamer und gemütlicher angehen. Extra für uns so früh aufstehen ist ihnen hoch anzurechnen. Ein wundervoller Tag auf der Insel Hiddensee klang dann Abends bei einem „Kapitänsabend“ in Hafen von Koster aus.  Unsere Kombüse bleib an dem Abend kalt denn bei Steak, Bratwurst, Bier, Live Musik und anschließender Disco (der Bürgermeister höchst persönlich legte auf) zeigte sich die kleine Insel Hiddensee bei Rügen von seiner gastfreundlichsten Seite.

Für uns war für den nächsten Tag bestes Wetter, 20 Knoten Wind aus West, vorhergesagt, das wollten wir unbedingt nutzen für die Überfahrt nach Bornholm. Geplant war es, um sechs Uhr abzulegen. Als der Wecker allerdings um 5:30 Uhr klingelte war uns so gar nicht nach Aufstehen zu Mute und so bedurfte es keiner großen Überzeugung doch noch ein Stündchen zu schlafen. Ob wir dann später ankommen, war uns in dem Ausgenblick egal. Und wer weiß schon was ein solch langer Tag sowieso für Veränderungen mit sich bringt… (Ich sagte glaube ich schon, wir sind ziemlich entspannt!) In der ersten Stunde sind wir durch die engen Fahrwasser von Hiddensee noch mit Motor gefahren und haben in ruhe gefrühstückt. Nach Erreichen der offenen See gab es dann nur noch genau zwei Dinge zu tun. Es musste eine ausgewogene Segelstellung gefunden werden, damit unser Windpilot die Tagesarbeit übernehmen konnte und die Windfahnensteuerung musste eingestellt werden. Danach war chillen, Musik hören,  kuscheln, lesen und aufs Meer schauen angesagt. Es entwickelte sich ein wirklich grandioser Segeltag. Kurz beschrieben, eine sehr schnelle Überfahrt für die 70 Sm in 12 Stunden. Herrlichstes Sommer-Segelwetter begleitete uns bei raumen Wind. So hätte es für mich Tage lang weiter gehen können. Wäre da nicht unser Ziel vor uns am Horizont erschienen. Wir hatten den Eindruck, dass Tosimotu Bornholm nur so entgegen fliegt. Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal über 12 Stunden so konstant gute Bedingungen gehabt zu haben. Völlig entspannt und ausgeruht, wir mussten ja nicht steuern, war der Yachthafen Rönne der erste Zielhafen in Dänemark. Nach einem kurzen Abstecher in die, für unser Schiff doch zu kleinen, Hafenbecken 2 und 3, fanden wir ein ruhiges Plätzchen mit Blick auf einen mal wieder atemberaubenden Sonnenuntergang und ließen selig diesen perfekten Segeltag Revue passieren.

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Neues Crewmitglied

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751 Tage bis zum Umzug auf´s Schiff

Schon länger geplant war, dass über Pfingsten ein neues Crewmitglied einige Tage mit uns segeln wollte. Swantje, Thomas älteste Tochter, sollte am Freitag Abend in Lübeck zu uns aufs Schiff kommen. Nach dem „spannenden“ Nordostseekanal haben wir einen Tag und eine Nacht in Laboe verbracht. Eine sehr gepflegte Marina und ein hübscher, kleiner Touri-Ort erwartete uns dort, der uns überraschend gut gefallen hat. Am nächsten Vormittag ging es dann bei bestem Wetter, 3 Bft und 22 Grad, die ganze Tour im T-Shirt, 9 Stunden für 36 sm, eigentlich nach Orth auf Fehmarn aber wegen des, für die Nacht angekündigten Südost Windes, der für das Liegen dort vor Anker sehr unangenehm gewesen wäre, entschieden wir uns kurzfristig statt dessen in einer Bucht vor Heiligen Hafen zu ankern, was sich als genau richtig herausstellte. Nach einer ruhigen Nacht ging es um 9 Uhr los mit Ziel Travemünde. Auf dem Weg dort hin passierten wir die Fehmarnsund Brücke und wurden, nach einem anfänglich sehr entspannten, hochsommerlichen Segeltag mit höchstens 3 Bft, dann leider voll von einer Gewitterfront erwischt. In wenigen Minuten machte der Wind eine 180 Grad Drehung die satte 40 Knoten Wind (8Bft) mit sich brachte, begleitet von sintflutartigem Regen. Wir hatten das Glück, dass wir entgegen der Zugrichtung der Front segelten, so dass der Spuck nach rund einer halben Stunde vorbei war. Der Wind blieb jedoch. Nach gut 8 Stunden und wieder 36 sm machten wir, nachdem wir der „Passat“ noch gewunken hatten, gegen 17 Uhr, trotz ordentlich Wind, erfolgreich an zwei Heckdalben (was wir mit unserer Tosimotu ja bisher noch nicht so oft geübt haben) in der Böbs-Marina fest. Abends haben wir, extra für unseren hohen Besuch, in den fußläufig vom Hafen (ca 10-15 Minuten) entfernten Rewe- und Aldimärkten noch die frischen Vorräte aufgefüllt. Nach Ausschlafen und ausgiebigem Frühstück mit Brötchen, Rührei mit Speck und Allem drum und dran, ging es dann für 3,20 € pro Person vom fußläufig 10 Minuten entfernten Bahnnhof „Travemünde Hafen“ in  ca. 30 Minuten zum Lübecker HBF. Bis zum frühen Abend liessen wir uns bei bestem Wetter treiben und genossen das quirlige Lübeck, bis wir gegen 18 Uhr Swantje am Bahnhof in Empfang nahmen. Gemeinsam haben wir dann noch Freunde in Lübeck besucht. Anke und Matthias betreiben im Süden von Lübeck an der Trave, wunderbar idyllisch gelegen und mit Sonne auf der Terrasse bis zum Untergang, ein schwimmendes Restaurant Namens „De Lübsche Schut“. Können wir nur empfehlen, sehr leckeres Essen und der Wirt immer mit einen lockeren Spruch auf den Lippen.

In den folgenden Tagen haben wir mit Swantje eine super entspannte Zeit verlebt, viel erzählt und gelacht. In Kühlungsborn verbrachten wir die nächste Nacht. Ein sehr lebhafter Hafen empfing uns nach nur gut 6 Stunden Fahrt für 37 sm bei traumhaftem Sommerwetter. Die Hafenpromenade war voller Menschen die gechillt der  Livemusik lauschten. Bis spät Abends genossen wir die gemeinsame Zeit bei Wein und der untergehenden Sonne. Am folgenden Tag war dann Sommersegeln angesagt. Swantje ließ es sich nicht nehmen zeitweise das Kommando zu übernehmen, ausgiebig zu steuern und man sah ihr an, dass sie das Segeln sehr genossen hat. Abends haben wir mit viel Glück im Yachthafen Warnemünde einen Platz im Päckchen ergattert. Da die Stege im Hafen zur Zeit erneuert werden, konnten wir auch nur bis maximal Dienstag 8 Uhr bleiben, da dann die Arbeiten weiter gingen. Wir wollten aber gerne im Ort liegen und nicht in der Marina Hohe Düne, denn von dort aus muss man immer mit der Fähre in den Ort übersetzen und wir wollten ja mit unserem Gast schließlich „mitten drin“ liegen. Warnemünde ist ein, durch die vielen Kreuzfahrtschiffe, die hier täglich an und ablegen, vor allem an der Hafenpromenade, sehr überlaufener Ort. Im Yachthafen bekommt man davon allerdings wenig mit, obwohl man so nah dran ist. Zum Abschluss haben wir für unseren Gast dann noch den Grill angeworfen und so den letzten Abend ausklingen lassen. Wir waren schon ein wenig traurig als wir Swantje heute Mittag dann am Bahnhof Warnemünde verabschiedet haben.

 

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NOK und digitale Erkenntnis

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754 Tage bis zum Umzug auf´s Schiff

Der Weg nach Kiel am 03.06.2019 ist schnell und kurz erzählt. Cuxhaven, Schleuse Brunsbüttel, 10 Stunden Motorfahrt (langweilig muss aber sein), Kiel abends, nur eine Schleuse in Betrieb, Schleusung in die Ostsee am 04.06.19.
Zuvor hatten wir aber am 03.06 noch ein super nettes Pärchen kennengelernt. Schweden die auf ihrer Rückreise von einem 6 jährigem Portugal, Madeira und Azoren Tripp waren. Sie hatten alles verkauft waren vor  auf´s Schiff gezogen um dann nach Süden zu starten. Dabei viele tolle Erlebnisse gehabt und hatten viel zu erzählen. Jetzt sind sie auf dem Rückweg nach Schweden, haben sich eine kleine Wohnung gekauft (1 Zimmer), ein Schiff ist ja auch nicht größer und wollen erstmal an Land sesshaft werden. Am nächsten Tag sind wir dann gemeinsam gestartet und haben auch die Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal gemeinsam bestritten.

Während so einer langweiligen Kanalfahrt bleibt einem viel Zeit für alles Mögliche. Dazu gehört auch die Nutzung digitaler Medien. Das aber war im NOK gar nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Es hat schon bei uns zur Verwunderung geführt, dass wir uns in der „meistbefahrenen Wasserstraße der Welt“ bewegen (Zitat von der Internetseite des NOK), und weitestgehends kein Handy Empfang hatten. DIGITALISIERUNG soll groß geschrieben werden, Deutschland zukunftsfähig gemacht werden, jedoch haben wir die Erkenntnis bekommen, das da noch sehr viel zu tun ist. Naja die Stunden sind dann auch mit Lesen und Hörbuch hören vergangen. ;-)) (Das musste ich jetzt mal los werden)

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Als wir die West- / Ost-Friesen rechts liegen ließen

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759 Tage bis zum Umzug auf´s Schiff

Heute Morgen sind wir um 09:10 nach 256 Seemeilen und 49,5 Stunden in Cuxhaven beim SVC eingelaufen.
Der Törn war zweigeteilt. Der erste Teil war entspanntes Raumschotsegeln und den zweiten Streckenabschnitt haben wir unter Motor erfahren. Aber der Reihe nach.

In den Tagen vor unserem ersten, großen Streckenabschnitt beobachteten wir das Wetter in den unterschiedlichsten Vorhersagen. Nach einem Frühjahr mit wochenlangen Ost- und Nordwind, den wir nicht gebrauchen konnten, zeichnete sich eine grundlegende Änderung der Wetterlage ab. Wir wollten von Stellendam, der Schleusenausgang vom Haringvliet in die Nordsee, dann die holländische Küste entlang nach Norden und weiter entlang der West- und Ostfrisischen Inseln in die Elbe nach Cuxhaven. Einen guten Plan hatten wir uns zurecht gelegt und für die Gesamtstrecke 50 Stunden veranschlagt.
Los gehen sollte es am 31 Mai gegen 08:00 Uhr in Stellendam, Ankunft war dann für den Vormittag am 02. Juni in Cuxhaven geplant. Und sollte uns zwischendurch der Wind nicht hold sein, egal, wir hatten hinten heraus genügend Zeit. Aber zurück zu den Wettervorhersagen.

Die Meteorologen waren sich nicht einig, es waren alle Windrichtungen im Angebot, dazu passte dann auch das ebenfalls in Zeit und Stärke Uneinigkeit herrschte. Also was tun? Eine alternative Route quer durch die Niederlande nehmen oder weiter positiv Denken und hoffen, es wird schon werden denn „geduldiger Skipper hat immer guten Wind“. Wir entschieden uns für das Letztere und hofften auf eine Wettervorhersage die genau unseren Plan unterstützte. In den letzten beiden Jahren hatten wir uns schon häufiger den Vorhersagemodellen von Windy bedient und damit positive Erfahrung gesammelt. Die Vorhersagen konkretisierten sich von Tag zu Tag und die anderen Vorhersagemodelle passten sich immer mehr denen von Windy an. Nach Ende des Törns kann ich sagen, die Vorhersagen sind zu 100% in Richtung und Stärke des Windes und allen angekündigten Veränderungen eingetroffen. Klasse Windy!

Los ging es dann am Freitag 31. Mai um 8:40 Uhr. Susi hatte für den langen Törn am Abend vorher noch ihren super leckeren, pikanten Nudelsalat vorbereitet und wir hatten noch Reste von unserer Abschiedsfeier mit Familie und Freunden, denn auf der Nordsee kochen gestaltet sich erfahrungsgemäß schwierig. Zunächst ging es von Stellendam durch das Fahrwasser zur Nordsee, dort war Segel setzten angesagt. Nach zwei Stunden erreichten wir das Fahrwasser Maasgeul, über das die Großschiffahrt  in den Europort Rotterdam ein- und ausläuft. Der Anmeldung über Funk zum Queren des Fahrwassers folgte die Aufforderung, noch zwei einlaufenden Schiffen Wegerecht zu lassen um anschließend nach Norden das Fahrwasser passieren zu können.
Hier wollten wir das erste Mal unsere neue Windfahnensteuerung Pacific von Windpilot in Betrieb nehmen. Idealerweise sollte sie uns steuern bis zur Einfahrt in die Elbe. Wir wären ungebunden, konnten anderen Dingen nachgehen oder einfach nur die Seele baumeln lassen, auf´s Wasser schauen und den Gedanken freien Lauf lassen. Wir hatten uns nach intensiver Recherche und mehreren intensiven Telefonaten mit Peter Förthmann für dessen Anlage entschieden. Peter Förthmann hatte uns speziell für unseren Schiffstyp noch einige Modifizierungen empfohlen. Gefühlt waren es wenige Minuten und einige Handgriffe und die Pacific übernahm das Steuern. In den ersten 24 Stunden hätten wir überhaupt nicht eingreifen müssen, hätten wir nicht verschiedene Windparks und Ankerfelder der Großschifffahrt vor der niederländischen Küste umfahren müssen. Die Pacific arbeitet zuverlässig, geräuschlos, ohne Wiederworte ;-)) und ist super leicht zu bedienen,9 dank der Empfehlungen von Peter Förthmann. Danke für diese Unterstützung. Wir können die Anlage guten Gewissens weiter empfehlen und werden das auch tun, aus voller Überzeugung.

Wir hatten uns für die erste Nacht einen Wachrythmus von drei Stunden ab 21 Uhr vorgenommen. So hatte jeder von uns bis zum Morgen zwei mal Wache und zwei mal Schlafenszeit. Susi übernahm die erste Wache. Sie hatte sich dick eingemummelt und wollte, ausgestattet mit einem Hörbuch, in die untergehende Sonne und die hereinbrechende Nacht hinein segeln. Ich konnte mich derweil schlafen legen. Es ist schon ein tolles Gefühl wenn du weist, dein Partner verfügt über ähnlich viel  Erfahrung, Wissen und Voraussicht. Dies ließ mich beruhigt einschlafen. Wir hatten uns gegenseitig versprochen, dass niemand von uns Nachts alleine das Cockpit verlässt um irgendetwas an Deck zu machen.
Geweckt wurde ich dann erst um 1:00 Uhr. Es sei so super gelaufen und sie sei auch noch nicht müde gewesen. Das konnte ich nach meiner anschließenden Wache bestätigen. Die vier Stunden waren kurzweilig. Hier im Norden wir es zu dieser Jahreszeit gar nicht so richtig dunkel, auch nicht bei Neumond. Außer dem erkennt man Nachts durch die Beleuchtung Seezeichen und andere Schiffe wesentlich besser als Tags.
Langsam wich die Nacht dem Farbenspiel der aufgehenden Sonne. Dem Sonnenaufgang entgegen zu segeln ließ uns nicht mehr schlafen so eindrucksvoll war dies Schauspiel. Erst später konnten wir abwechselnd den zu wenigen Schlaf nachholen. Die Zeit verliert an Bedeutung, man lebt viel mehr nach seinen Bedürfnissen als nach der Uhr. E ist egal, wenn erst mittags gefrühstückt wir.

Windy hatte für den zweiten Tag nachmittags abnehmende Winde von 20 Kn bis auf 4 Kn vorhergesagt. Hätten wir nicht gebraucht, wären lieber weiter gesegelt. Aber die Vorhersagen stimmten zu 100% und gegen 15 Uhr war der Wind eingeschlafen. Die See bekam eine ölige Oberfläche und so begann der zweite Streckenabschnitt unter Motor. Der sollte dann erst wieder in Cuxhaven ausgemacht werden. Entsprechend der Vorhersage war nachts kein Wind vorhergesagt und der anschließende Vormittag sollte schwach windig bleiben.
Einzig allein die Fahrt über die Elbe bis Cuxhaven bescherte uns bei ablaufender Flut noch kräftig Gegenstrom. Die Alternative wäre gewesen vor der Einfahrt in die Elbe zu ankern und die Kenterung des Stroms abzuwarten. Wir entschieden uns jedoch dagegen und ließen den Motor weiter laufen. Unter Motor ein Segelboot zu fahren ist halt unspannend und was gibt es davon schon zu berichten außer einer ständigen monotonen Geräuschkulisse?

Wir hatten unser erstes Ziel erreicht, holten noch ein wenig Schlaf nach, räumten das Schiff auf und genossen einen wunderbaren Sommertag in Cuxhaven. Morgen geht es um 10 Uhr weiter die Elbe hoch, dann mit der mitlaufenden Strömung nach Brunsbüttel, um dann durch den Nord Ostsee Kanal nach Kiel zu fahren.

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Ostsee wir kommen

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762 Tage bis zum Umzug auf´s Schiff

Nachdem wir zu Hause Alles organisiert hatten, was man so zu organisieren hat, wenn man drei Monate weg ist, sind wir am Dienstag Abend nach Den Osse aufgebrochen, um die letzten Vorbereitungen für unseren großen Törn zu treffen. Die frischen Lebensmittel mussten haltbar verstaut, das Rigg kontrolliert, die ganze Kleidung für die Zeit (oh Gott ich habe viel zu viel mit, aber man weiß ja nie… ;)) verräumt und die Stegnachbarn verabschiedet werden. Bei wider Erwarten sonnigen Wetter lief Alles nach Plan.

Am nächsten Morgen um 7:50 Uhr legten wir bei 15 Grad, Nebel und Nieselregen, dennoch glücklich und aufgeregt, das es endlich los geht ab, in Richtung Stellendam (Nordsee). Wir waren sogar so aufgeregt, dass uns ein paar Fehler unterliefen, die eigentlich schon viele Jahre hinter uns liegen, wie zum Beispiel zu vergessen, dass Seeventil unter der Spüle zu schließen… Aber egal, es kann nur besser werden.

Auf unserer 11 stündigen, ersten Etappe, fuhren wir bei 4 – 7 Beaufort, bei Regen, Wolken und praller Sonne über 4 Binnengewässer, durch 4 Schleusen und drei Hebebrücken hinaus auf die Nordsee, um hinter der Schleuse Stellendam zu übernachten, um morgen früh aufs Meer zu können (gut dass wir unsere zwei Fenderbretter mit haben, sonst wäre es mit dem Festmachen schwierig geworden).
Auf unserer nun bevorstehenden Reiseroute, planen wir einen 50 Stundentörn nonstop über die Nordsee nach Cuxhaven, zwei Fahrten durch den Nordostseekanal, die Fahrt entlang der deutschen Ostseeküste nach Rügen, Bornholm, Öland, Gotland, Stockholm, natürlich ganz wichtig zu den Stockholmer Schären, Kopenhagen und in die dänische Südsee. Mal schauen ob wir das alles in der Zeit schaffen. Bleibt gespannt!

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… wieder aufgetaucht

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790 Tage bis zum Umzug auf´s Schiff

Wir haben schon länger nichts mehr von uns hören lassen. Waren viel beschäftigt, unterwegs und fanden so nicht die richtige Muße für einen Blogbeitrag. Ein wenig treibt uns schon das schlechte Gewissen, jetzt doch noch etwas über die letzten Wochen unserer Erlebnisse und die Fortschritte zu berichten. Abgetaucht heist ja auch nicht verschwunden ;-).

Das Osterwochenende versprach perfektes Wetter. Ein erstes wirklich langes, warmes Wochenende war angekündigt. Der Wetterbericht konnte sich nicht irren und es trieb uns ein breites Grinsen auf die Lippen. Wir konnten es kaum erwarten los zu kommen. Das Auto voll gepackt mit Proviant und Material zum Schrauben brauchten wir uns nur anzuschauen und sofort war klar, dass bei diesen Bedingungen ein reines Arbeitswochenende ausfallen musste. Klar hatten wir auch noch Arbeiten zu erledigen, aber noch klarer war, dass wir viel mehr genießen wollten. Die Sonne sollte uns das ganze Wochenende verwöhnen und wir hatten das Bedürfnis, davon so viel wie möglich ab zu bekommen und an uns zu lassen.
So riefen uns die wärmenden Sonnenstrahlen schon morgens auf´s Vordeck. Schnell war die erste Tasse Kaffee gekocht, eine bequeme Sitzposition eingenommen. In der abgeschiedenen Ruhe eines kleinen Anlegers auf einer Insel im Grevelingen konnte der Tag beginnen. Ein frisch gebackenes Brot zum Ostersonntag bereicherte den gedeckten Frühstückstisch auf dem Vordeck. 
Es war herrlich anzusehen wie die Kinder begeistert auf dem Nachbarschiff die für sie versteckten Osterleckereien suchten, fanden und sich daran erfreuten.
Später ließen wir uns von leichten Winden zu einem Ankerplatz mitnehmen. Im seichten Wasser vergrub sich der Anker und Susi machte mit einem beherzten Sprung ins kühle Nass ihr erstes Salzwasserbad für dieses Jahr. Alle Achtung!!! Moch bekommt bei diesen Wassertemperaturen von 14 Grad niemand ins Nass. Selbst der Gedanke, nur schon einen Fuß ins kalte Wasser zu halten, lässt mich erschauern. Dafür bin ich nicht gemacht, schon gar nicht freiwillig. 
Bis spät genossen wir noch die warme Abendsonne die  über dem leicht gekräuseltem Wasser am Horizont verschwand und genossen die Ruhe bei einem Glas Wein.

Fazit des Arbeitswochenendes ,-) bisschen streichen, bisschen schrauben, bisschen verräumen und ganz viel genießen.

Das dann folgende Wochenende wurde dazu genutzt, die liegen gebliebenen Arbeiten nachzuholen. Wir sind jetzt soweit, dass das Schiff für unsere dreimonatige Reise zu den Stockholmer Schären sehr gut vorbereitet ist.
Mittlerweile sind auch alle notwendigen Seekarten, Hafenhandbücher und Schärenführer eingetroffen. Aber dazu noch näheres in einem späteren Blogbeitrag.

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Schaffen, schaffen, geschafft…

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814 Tage bis zum Umzug auf´s Schiff

Bevor wir am Samstag Abend erschöpft und sehr müde in unsere Koje fielen, sagte ich noch zu Susi: „dies war ein sehr erfolgreicher Tag.“ Davor ließen wir den Abend bei Rotwein und Bratpaprika ausklingen, saßen im Salon und waren zu müde uns noch weiter zu bewegen. Aber zufrieden waren wir mit unserem Tagwerk. Trotz der gefühlt unendlich langen ToDo Liste hatten wir doch richtig viel erledigen können. Aber von vorne…

…ein herrlich warmer Frühlingsmorgen begrüßte uns. Wir verlegten den Genuß der ersten Tasse heißen Kaffee´s auf das Vordeck, ließen die Sonnenstrahlen unsere Haut wärmen und genossen die Ruhe des Morgens.
Die Umlenkrollen für die Vorsegel waren schnell auf die Genuaschienen geschoben, die Endkappen fest geschraubt und das Setzten der Rollgenua und der Kutterfock ging uns routiniert von der Hand. Danach sah ToSiMotu schon wieder sehr nach Segelschiff aus.
Die anschließende Montage unserer Windfahnensteuerung gestaltete sich einfach. Lediglich die Leinenführung zum Steuerrad im Cockpit verlangte Überlegungen und geringe Anpassungen.

Windpilot Pacific
Windpilot Pacific

Die Badeleiter durfte die Steuerleinen in ihrer freien Beweglichkeit nicht stören. Testen und fein justieren werden wir die Anlage dann zu einem späteren Zeitpunkt.
Für die neuen Solarpanele mussten Kabel verlegt werden, nicht schwierig aber aufwendig und alles musste so fixiert werden, dass im späteren Dauerbetrieb und bei Schiffsbewegungen keine Scheuerstellen und offenen Kabel entstehen können. Noch nicht abschließend  zufrieden sind wir mit der Befestigung der Solarpanele an der Reling. Da gibt es noch Optimierungsbedarf. Wir beobachten, überlegen und suchen nach Verbesserungen. Aber vielleicht kommen uns ja die Ideen im Betrieb. Es muss nicht alles sofort perfekt sein. Nach Verkabelung und Anschluss an den Laderegler staunten wir nicht schlecht, dass bei difuser Nachmittagssonne der Batteriecontroller 7AH Ladestrom anzeigte. Was wenn die Sonne klar von Himmel scheint? Damit sollte unser Energiemanagement für die Zukunft gesichert sein. Wir sind unserem Anspruch ein autarkes Leben führen zu können einem großen Schritt näher gekommen.

Nach einem solchen Tag mag ich gar nicht den Blick schweifen lassen. Im Schiff und auf Deck war es so was von unübersichtlich. Überall Werkzeug, Kisten, Kleinteile und Montagematerial. So hieß es schnell noch zu sortieren, zusammenpacken und wegstauen bevor es dunkel wurde.

Vieles war geschafft, gestrichene ToDo´s gaben uns ein gutes Gefühl und wir waren auch geschafft und zufrieden. Es geht weiter!

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Neue Teile, da lacht das Herz

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820 Tage bis zum Umzug auf´s Schiff

Es geht weiter. Die Reparatur mit Hindernissen beim montieren der neuen Genuaschienen war abgehakt. Es fehlten noch die neuen passenden Umlenkblöcke für unsere Genua und Kutterfock.
In den letzten Tagen wurde der Lieferservice der Paketboten arg strapaziert und diverse Ersatzteile und neue Anbauteile geliefert.
Neben den Vorsegelumlenkblöcken wurden zwei Wechselrichter, 180W reiner Sinus und 1500W modifizierter Sinus geliefert.
Auch liegt unsere neue Windfahnensteuerung, eine Windpilot Pacific, bereit zur Montage. Wir wollen uns bei unseren Vorhaben nicht alleine auf einen elektrischen Autopiloten verlassen. Man stelle sich nur einmal vor, wir befinden uns bei einem längeren Törn weit weg vom Start- und Zielhafen und der elektrische Autopilot quittiert seinen Dienst. Handsteuerung 24/7 ?? …. nein danke, kommt für uns nicht in Frage. Deshalb, die unausweichliche Entscheidung für eine mechanische Windfahnensteuerung. Ausgestattet mit dem riesigen Vorteil, stromlos zu arbeiten und damit keine selbst zu produzierenden Ressourcen verbrauchen zu müssen.
Auch wenn unsere neuen Solarpanele sicherlich für ausreichend Energiezufuhr zusätzlich sorgen können, so soll doch die Pacific zukünftig zuverlässig ihre Arbeit leisten.
Ergänzt wird die elektrische Versorgung noch mit einem effizienten Hochleistungsregler.

Bis hierhin haben Susi und ich viele Stunden an langen Winterabenden diskutiert, was ist für uns unbedingt notwendig, was wäre schön zu haben und auf was können wir verzichten. Immer auch unter dem Gesichtspunkt können wir das alleine händeln und notfalls reparieren. Immer auch mit dem Gedanken, wir wollen autark leben und die Kunst liegt darin zu verzichten und es so einfach wie möglich zu gestalten.

Also es  gibt viel zu tun an den nächsten Wochenenden. Ideen haben, überdenken, verwerfen, neu überlegen, zusammen bauen, montieren, Kabel verlegen, anschließen, testen und zufrieden lächeln. Das alles noch bevor wir am 30.05 zu unserer dreimonatigen Generalprobe zu den Stockholmer Schären starten.

Wir berichten über die Fortschritte und unsere Erfahrungen.

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Die Segelsaison ist eröffnet

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846 Tage bis zum Umzug auf´s Schiff    

Start in die Saison 2019
1. kommt es anders und 2. als man denkt

Nach einem leider wetter- und schadenbedingten, segelfreien Winter, versprach der Wetterbericht am dritten Februarwochenende bestes Wetter für das Grevelingenmeer. Da unsere Sehnsucht nach Wasser unterm Kiel, Wind in den Segeln und Sonne im Gesicht mittlerweile auf ein kaum erträgliches Maß gestiegen war, wurden also kurz entschlossen Freitag Früh alle über den Winter zusammengetragenen Ersatzteile, Werkzeug, Wechselwäsche und ein paar Leckerchen im Auto verstaut und los ging´s gen Den Osse zu unserem Schiff, von uns auch liebevoll „unsere Insel“ genannt. Dort angekommen haben wir die ToSiMotu erstmal aus ihrem Winterkleid geschält und alles inspiziert. Nichts war kaputt oder nass, soweit so gut. Nun hieß es Heizung und Arbeitsklamotten an und loslegen mit unserem Vorhaben, die neuen Genuaschienen zu befestigen. Die 25 Jahre alte Steuerbordschiene war uns leider am Ende unseres Kanalinseltörns im August letzten Jahres, bei einer Böe ausgebrochen.  Da wir aber dieses Wochenende segeln wollten und zwar mir Genua, mussten wir jetzt ran. Leider stimmten die Bohrungen auf Deck aber nicht mit denen der neuen Schienen überein, weshalb die Befestigungsaktion letztlich, statt geplanter 3 – 4 Stunden, eineinhalb Tage dauerte. Die Krönung war dann, als wir am Ende feststellen mussten, dass auf die tollen, neuen und in all den Stunden, trotz aller Hindernisse, perfekt montierten Genuaschienen, die alten Blöcke nicht passten…. Egal!!! Jetzt  hatten wir schon einen Tag verloren, Wind war eh keiner, aber schon 16 Uhr, dann fahren wir eben ganz ohne Vorsegel und ziehen das Großsegel erst morgen auf. Hauptsache raus aus dem Hafen und nicht noch eine weitere Nacht in der Box bleiben. Also sind wir schön langsam in der untergehenden Sonne zu Insel Stampersplaat motort. So konnten wir zwar nicht segeln dafür aber fast alleine  in dem kleinen Naturhafen in unserem Cockpit sitzen und mit einem Grog, in völliger Stille und seligem Einklang mit der Natur, die Abendstimmung genießen. 

Nach einer draußen kalten, aber dank unserer Petroleumheizung und unseren sexy „Teletubbieanzügen“, drinnen schön warmen Nacht, haben wir im sonnigen Cockpit unter der Kuchenbude lecker gefrühstückt und anschließend in der prallen Februarsonne das Groß aufgezogen. Gegen 11 Uhr ging es dann endlich raus aus dem süßen Naturhafen (dieses Mal ohne Besuch der Minipferde) um ENDLICH, ENDLICH das erste Mal für diese Saison Segel zu setzten, wenn auch nur eins, und den Motor auszumachen. Oh mein Gott, welch unbeschreiblich schönes Gefühl das ist, beinahe lautlos über das Wasser zu gleiten, den Wind in Gesicht und Haaren zu spüren, die wärmende Sonne lacht dazu und bringt das leicht gekräuselte Wasser zum Glitzern. Ganz genau dafür machen wir das! Genau für dieses Gefühl frei zu sein, mitten drin in diesem großartigem Zusammenspiel von Wasser, Wind und Natur. Wir sind glücklich!!! Es wurde ein unbeschreiblich schöner, warmer, stiller und entspannter Tag auf dem Wasser, der uns mit seinen erst gut zwei, später null Beaufort, so herrlich entschleunigte. Die letzten zwei Stunden bis zum Sonnenuntergang haben wir uns genau zweieinhalb mal um die eigene Achse gedreht und uns einfach ein Teil dieser friedlichen Ruhe sein lassen. Was für ein grandioser Start in die Saison und das so ganz ohne Genua und Wind.

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